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Fachbegriffe

Wer mit alten Möbeln arbeitet, begegnet Begriffen, die man nicht unbedingt aus dem Alltag kennt. Hier werden sie erklärt.

Materialerkennung

Bevor man irgendetwas tut, muss man wissen, womit man es zu tun hat. Diese Begriffe helfen dabei.

Massivholz

Vollständig aus einem Holzstück gefertigtes Material ohne Verbundwerkstoffe. Erkennbar an der durchgehenden Maserung auf allen Seiten, einschließlich der Schnittkanten. Massivholz kann mehrfach geschliffen und neu behandelt werden, da kein Trägermaterial darunter liegt.

Material

Furnier

Eine dünne Holzschicht (typischerweise 0,5 bis 3 mm), die auf einen Träger aus Holzwerkstoff aufgeklebt wird. An der Kante erkennbar, wenn die Maserung der Oberfläche nicht mit dem Kantenmaterial übereinstimmt. Furnierte Möbel können vorsichtig geschliffen werden, aber nur mit feinem Korn und ohne Druck, da sonst das Furnier durchgeschliffen wird.

Material

Spanplatte (Pressspan)

Holzwerkstoff aus gepressten Holzspänen und Bindemittel. An der Schnittkante erkennbar durch die körnige, unregelmäßige Spanstruktur ohne Maserung. Reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit und quillt bei Nässe auf. Abbeizer sollten auf Spanplatten sehr sparsam und nur kurz einwirken.

Material

MDF (Mitteldichte Faserplatte)

Aus feinen Holzfasern und Bindemittel gepresster Werkstoff mit gleichmäßiger, glatter Oberfläche ohne Maserung. Dichter als Spanplatte, aber ebenfalls feuchtigkeitsempfindlich. Gut lackierbar, aber schwierig mit Kreidefarbe zu behandeln, da die Oberfläche kaum Haftungsgrund bietet.

Material

Melaminbeschichtung

Kunststoffbeschichtung auf Holzwerkstoffen, oft als Imitat einer Holzmaserung. Erkennbar an der absolut gleichmäßigen, glatten Oberfläche ohne Porenstruktur. Kreidefarbe und viele Lacke haften auf Melamin ohne Vorbehandlung nicht dauerhaft. Erfordert spezielle Haftvermittler oder intensives Anschleifen mit grobem Korn.

Oberfläche

Hirnholz

Die Querschnittsfläche eines Holzstammes, auf der die Jahresringe sichtbar sind. Hirnholz ist poröser als Längsholz und saugt Öle und Lacke deutlich stärker auf. Bei der Behandlung von Tischplatten sind die Hirnholzflächen an den Kanten gesondert zu berücksichtigen.

Holzanatomie

Lackentfernung

Alte Oberflächenbehandlungen zu entfernen ist oft der aufwendigste Teil der Aufarbeitung. Die Methode hängt vom Material ab.

Abbeizer

Chemisches Mittel, das Lack- und Farbschichten anlöst und das mechanische Entfernen erleichtert. Unterschieden wird zwischen lösemittelbasierten Abbeizern (wirksam, aber stark riechend und gefährlich) und NMP-freien Varianten auf Wasserbasis (schonender, aber langsamer). Einwirkzeit und Menge sind je nach Schichtdicke anzupassen.

Methode

Heißluftpistole

Elektrisches Werkzeug, das heiße Luft (typischerweise 200 bis 600 Grad Celsius) auf die Lackschicht bläst und diese erweicht. Gut geeignet für dicke Lackschichten auf Massivholz. Auf Furnieren und Holzwerkstoffen nicht empfehlenswert, da die Hitze den Leim lösen kann. Immer in Kombination mit einem Spachtel verwenden.

Werkzeug

Schellack

Natürlicher Lack aus dem Sekret der Lackschildlaus, der auf alten Möbeln häufig anzutreffen ist. Löslich in Alkohol. Erkennung: Tupft man etwas Spiritus auf die Oberfläche und reibt, löst sich Schellack leicht an. Kann mit Spiritus entfernt werden, ohne dass aggressive Abbeizer nötig sind.

Lackmaterial

Nitrolack

Schnelltrocknender Lack auf Nitrocellulosebasis, der vor allem in den 1950er bis 1970er Jahren verbreitet war. Erkennbar am typischen, leicht süßlichen Geruch beim Schleifen. Löslich in Nitroverdünner. Vergilbt mit der Zeit und bildet Risse. Gut schleifbar, aber beim Abbeizen auf ausreichende Belüftung achten.

Lackmaterial

Spachtel (Lackspachtel)

Flaches Werkzeug aus Metall oder Kunststoff zum Abziehen angelöster Lackschichten. Metallspachtel sind effizienter, hinterlassen aber leichter Kratzer auf weichem Holz. Kunststoffspachtel sind schonender. Bei Profilen und Verzierungen helfen Spezialspachtel mit geformten Kanten.

Werkzeug

Grundierung

Erste Schicht einer Lackierung, die als Haftgrund für Folgeschichten dient und das Holz versiegelt. Alte Grundierungen enthalten manchmal Blei (in Möbeln vor 1970). Bei Verdacht auf bleihaltige Farben sollte ein Testkit verwendet werden, bevor geschliffen wird, da Bleistäube gesundheitsschädlich sind.

Lackschicht

Oberflächenbehandlung

Nach dem Entfernen der alten Oberfläche stellt sich die Frage: Womit behandelt man das Holz neu?

Holzöl

Dringt in die Holzfasern ein und schützt von innen. Ergibt eine matte, natürliche Oberfläche, die das Holz atmen lässt. Typische Öle: Leinöl, Tungöl, Hartwachsöl. Mehrere Schichten sind nötig, jede muss vollständig trocknen. Öl ist nicht wasserabweisend, sondern wasserresistent. Tischplatten mit starker Nutzung benötigen gelegentliche Nachbehandlung.

Behandlung

Hartwachsöl

Kombination aus Öl und Wachs, die sowohl in die Holzfasern eindringt als auch eine schützende Oberfläche bildet. Einfacher aufzutragen als reines Öl und mit besserer Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit. Gut geeignet für Tischplatten und stark beanspruchte Flächen. Trocknet je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit unterschiedlich schnell.

Behandlung

Bienenwachs

Natürliches Wachs, das eine dünne Schutzschicht auf der Holzoberfläche bildet. Ergibt ein weiches, seidiges Finish. Weniger widerstandsfähig gegen Wasser als Hartwachsöl, aber gut für Möbelstücke mit geringer Nutzungsbelastung. Kann als Abschlussschicht über Kreidefarbe verwendet werden, um diese zu versiegeln.

Behandlung

Klarlack

Transparenter Lack, der eine harte Schutzschicht über dem Holz bildet. Erhältlich in matt, seidenglänzend und hochglänzend. Gut geeignet für stark beanspruchte Oberflächen. Versiegelt das Holz vollständig, was bedeutet, dass es nicht mehr "atmet". Auf Massivholz kann das bei Temperaturschwankungen zu Rissen führen.

Behandlung

Beize

Färbt das Holz, ohne die Maserung zu verdecken. Dringt in die Holzfasern ein und verändert die Farbe von innen. Beizen sind transparent und zeigen die natürliche Holzstruktur. Anschließend muss eine Schutzschicht aufgetragen werden, da Beize allein keinen Schutz bietet.

Behandlung

Kreidefarbe

Kreidefarbe ist ein eigenes Thema, das mehr Erklärung braucht als die meisten anderen Materialien.

Kreidefarbe (Chalk Paint)

Wasserbasierte Farbe mit matter, kreidiger Oberfläche. Enthält Calciumcarbonat (Kreide) als Füllstoff. Haftet auf vielen Untergründen ohne Grundierung, aber nicht auf allen. Trocknet schnell und lässt sich gut übermalen. Ohne Versiegelung sehr empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und mechanischer Beanspruchung.

Farbe

Haftvermittler (Primer)

Grundierungsschicht, die die Haftung nachfolgender Farben auf schwierigen Untergründen verbessert. Bei Kreidefarbe auf Melamin, Glas oder glattem Kunststoff unbedingt notwendig. Auch auf stark saugenden Untergründen sinnvoll, da der Haftvermittler die Poren schließt und einen gleichmäßigen Untergrund schafft.

Vorbereitung

Distressing

Gezieltes Anschleifen von Kanten und Flächen nach dem Trocknen der Kreidefarbe, um einen gealtertes, abgenutztes Aussehen zu erzeugen. Funktioniert besonders gut, wenn darunter eine andere Farbe oder das natürliche Holz sichtbar wird. Erfordert feines Schleifpapier (240er Körnung oder feiner).

Technik

Wachsversiegelung

Abschlussschicht über Kreidefarbe, die diese vor Feuchtigkeit und Abrieb schützt. Mit einem weichen Tuch in kreisenden Bewegungen aufgetragen, anschließend auspoliert. Klares Wachs erhält die Farbe, dunkles Wachs gibt Tiefe und Alterseffekte. Auf horizontalen Flächen mit starker Nutzung ist Wachs allein oft nicht ausreichend.

Versiegelung

Schleiftechnik

Schleifen ist mehr als Schleifpapier auf Holz reiben. Die Körnung, die Reihenfolge und die Technik machen den Unterschied.

Körnung

Gibt die Grobheit des Schleifpapiers an. Niedrige Zahlen (40, 60, 80) sind grob und tragen viel Material ab. Hohe Zahlen (180, 240, 320) sind fein und glätten die Oberfläche. Immer von grob nach fein arbeiten. Körnung überspringen verlängert die Arbeitszeit, da jede Körnung die Kratzer der vorherigen entfernen muss.

Grundlage

Exzenterschleifer

Elektrisches Schleifgerät mit kreisförmiger Schleifbewegung, das keine Schleifspuren in einer Richtung hinterlässt. Gut geeignet für große Flächen wie Tischplatten. Nicht geeignet für Ecken und Profile. Immer mit dem Korn des Holzes schleifen, nicht dagegen.

Werkzeug

Zwischenschliff

Leichtes Schleifen zwischen zwei Lackschichten oder Ölanstrichen. Glättet aufgestellte Holzfasern (die durch die Feuchtigkeit des ersten Anstrichs entstehen) und verbessert die Haftung der nächsten Schicht. Für den Zwischenschliff reicht feines Schleifpapier (240er oder feiner), manchmal auch ein Stahlwollpad.

Technik

Schleifen mit der Faser

Schleifbewegungen parallel zur Maserungsrichtung des Holzes. Verhindert Querkratzer, die durch die Maserung besonders sichtbar werden. Bei maschinellem Schleifen durch den Exzenterschleifer weniger kritisch, beim Handschliff aber grundlegende Regel.

Technik